Programm

Gioachino Rossini, Il barbiere di Siviglia

I, 5: Cavatina "Una voce poco fa" (Rosina)

Richard Strauss, Lieder

No. 8 "Allerseelen"

Three Melodies

1. Les Berceaux

Giuseppe Verdi, Don Carlo

Claude Debussy, Pelléas et Mélisande

Richard Strauss, Salome, Op. 54

José van Dam, Sänger und Lehrer

Private Musikstunden

Abonnenten

Besetzung

José van Dam  — Lehrer, Stimme

Florence Bonnafous  — Mezzosopran (Student)

Renaud Drouot  — Bariton (Student)

Marie-Paule Fayt  — Sopran (Student)

Caroline Fevre  — Mezzosopran (Student)

Vincent Le Texier  — Bariton (Student)

Hélène Perraguin  — Mezzosopran (Student)

Jean-Louis Soumagnas  — Bariton

Programmhinweise

In diesem Meisterkurs nimmt uns José van Dam mit in einige der größten Meisterwerke der dramatischen Musik und behandelt dabei jeden Aspekt des Repertoires des Sängers, von Le Nozze di Figaro bis Pelléas et Mélisande, vom Belcanto bis zu Liedern über die französische Mélodie.

Dieser Film spricht von einer Zeit, in der die Oper nach neuen Grundlagen suchte. In den 1970er und 1980er Jahren als Verkörperung der bürgerlichen Kunst verteufelt und gefangen in einer Spirale luxuriöser Produktionen, die ihre theatralische Dimension vernachlässigten, brauchte das Genre in jenen Jahren kraftvolle Persönlichkeiten, um einen Wendepunkt in seiner Geschichte zu verhandeln. Sänger wie José Van Dam und Ruggero Raimondi, Regisseure wie Patrice Chéreau, Dirigenten wie Giuseppe Sinopoli und Pierre Boulez sollten ihm den nötigen Aufschwung geben. Als unbestrittener Star, gesalbt von Herbert von Karajan, mit dem er in mehreren heute legendären Produktionen auftrat und diese aufnahm, von den bedeutendsten Dirigenten wie Sir Georg Solti und den renommiertesten Opernhäusern gesucht, war José Van Dam eine Schlüsselfigur in dieser Wiederbelebung der Opernkunst. Seine einfache und direkte Persönlichkeit, frei von den Fehlern, die selbst die feinsten Künstler zu glamourösen Aushängeschildern machen, seine Professionalität und seine herausragende Stimme haben ihn zu einem belgischen Schatz gemacht und ihm einen Platz unter den größten Baritonen des 20. Jahrhunderts gesichert.

Der erste Teil des Films, „Eine Stimme aufbauen“, der bis auf die Einführung vollständig in Lüttich gedreht wurde, zeigt die vokale Arbeit, die dem Interpretationsprozess vorausgeht. José Van Dam richtet sich an Sänger, die bereits eine Stimme besitzen, aber noch keine echte Bühnenerfahrung haben, und gibt grundlegende Ratschläge zu Atmung, Zwerchfell, Maske und Artikulation. Diese physiologischen Überlegungen, die ebenso gut für jeden gelten könnten, der gesund leben möchte, werden hier im Hinblick auf Diktion, Stimmfarbe und korrekte Intonation behandelt. Nach Van Dams Ansicht muss man ein bewusstes Gleichgewicht zwischen angemessener Vokalisierung, musikalischem Ausdruck und der Bedeutung der Worte entwickeln.

Im zweiten Teil, „Eine Rolle aufbauen“, der in Lyon gedreht wurde, ist Van Dam bei Arbeitssitzungen mit drei professionellen Sängern zu sehen: Jean-Louis Soumagnas, Vincent Le Texier und Hélène Perraguin. Das Thema ist hier ein anderes: Der Meister-Sänger skizziert die Charaktere, erklärt seine Rollenauffassung und geht auf die Details der Gesangslinien ein.

Der Film endet mit der einsamen Arbeit des Künstlers, der damals (1990) die Rolle des Jokanaan in der französischen Version von Strauss’ Salome an der Opéra de Lyon sang. Er ist allein am Klavier in einem Proberaum zu sehen, wie er seine Phrasierung, seine Diktion, seine Intonation usw. überprüft, bevor er sie an die Anforderungen der Bühne anpasst. Schließlich sehen wir ihn in der Aufführung, wie er eine christusähnliche Haltung einnimmt, während er Jokanaans berühmte Verwünschung singt: „Bid him come forth, that he may hear the voice of him who hath cried in the waste places and in the houses of kings.“

Private Musikstunden: zwölf äußerst einflussreiche Programme, die zwischen 1987 und 1991 vom französischen Fernsehen ausgestrahlt wurden. Das Leitprinzip von Olivier Bernager und François Manceaux war es, die Kunst der führenden Interpreten unserer Zeit einzufangen, live im Konzert, aber vor allem auch in einer Lehrsituation.

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