Gérard Poulet, Geiger und Lehrer
Private Musikstunden
Besetzung
Gérard Poulet — Lehrer, Violine
Renaud Capuçon — Violine (Student)
Thierry Huchin — Violine (Student)
Xavier Phillips — Violine (Student)
Marie Scheublé — Violine (Student)
Noël Lee — Klavier (Student)
John Magnussen — Klavier (Student)
Olivier Bernager
Programmhinweise
In diesem Meisterkurs teilt Gérard Poulet großzügig seine technischen Fähigkeiten und seine große Erfahrung mit den klassischen, romantischen und modernen Violinenrepertoires.
In diesem wie ein gefilmtes Notizbuch organisierten Programm erzählt der Pianist in der intimen Umgebung seines Zuhauses bescheiden Episoden aus seinem Leben und gibt drei Lektionen vor der Kamera. So sehen wir ihn die virtuosen Exzesse einer japanischen Schülerin zügeln und eine seiner Schülerinnen am Genfer Konservatorium taktvoll korrigieren, indem er sie daran erinnert, dass das Pedal mit Maß eingesetzt werden muss, das Tempo flexibel, das Rubato kontrolliert und die Phrasierung genau analysiert werden soll. All dies wird mit Charme, Einfachheit und vor allem mit dem Taktgefühl eines erfahrenen Künstlers vermittelt, der lange nachgedacht und fast alles gespielt hat. Ein Mann mit offenem Geist: das zwanzigste Jahrhundert hat für ihn keine Geheimnisse. Nah an Strawinsky, Bartók und Prokofjew, interessiert an Boulez und Stockhausen. Unabhängig von Epoche oder Stil verbindet seine Interpretation stets Strenge und Raffinesse.
Gérard Poulet unterrichtete eine sehr gefragte Violinklasse am Conservatoire National Supérieur de Paris. Im Gegensatz zu vielen anderen renommierten Künstlern betrachtet er das Unterrichten nicht als mehr oder weniger notwendiges Übel. Im Gegenteil, es ist eine unverzichtbare Praxis, um die Existenz als Solist voll auszuleben. Das Weitergeben dessen, was er in einer Eins-zu-eins-Beziehung mit seinen ausgewählten Schülern erhalten hat, ist für diese aufrechte Persönlichkeit eine moralische Pflicht.
In direkter Sprache, ohne sich einzuschmeicheln, manchmal scharf und eher beunruhigend in seinen Bemerkungen, jagt Gérard Poulet Unvollkommenheiten auf und korrigiert sie. Technik dient nur dazu, der Musik zu dienen, erklärt er, selbst im anspruchsvollsten Caprice von Paganini.
Aus diesen drei gefilmten Lektionen und den skizzenhaften Elementen eines Porträts wird deutlich, dass für diesen Künstler Musik durch Anstrengung verdient wird, dass sie nicht jedem gewährt wird und dass die Auserwählten nur ihren Anteil verdienen. In diesem Geigerpoeten steckt etwas von Charles Péguy: unerbittlich, klassisch, streng und aufrichtig.
Private Musikstunden: zwölf äußerst einflussreiche Programme, die zwischen 1987 und 1991 vom französischen Fernsehen ausgestrahlt wurden. Das Leitprinzip für Olivier Bernager und François Manceaux war es, die Kunst der führenden Interpreten unserer Zeit einzufangen, live im Konzert, aber vor allem auch in einer Unterrichtsumgebung.




