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Komponist
Klavier

Fazıl Say

14. Januar 1970 - Ankara (Türkei)

Über

Mit seiner außergewöhnlichen pianistischen Fähigkeit berührt Fazıl Say seit 25 Jahren Publikum und Kritiker gleichermaßen auf eine Weise, die selten geworden ist. Konzerte mit diesem Künstler sind andere Konzerte; sie sind direkter, offener, aufregender. Kurz gesagt: Sie gehen direkt ins Herz. Das muss der Komponist Aribert Reimann gemeint haben, als er während eines Besuchs in Ankara im Jahr 1986 das Vergnügen hatte, mehr oder weniger zufällig den damals 16-Jährigen zu hören. Er bat sofort seinen Begleiter, den amerikanischen Pianisten David Levine, zum Konservatorium der türkischen Hauptstadt zu kommen, und er tat dies mit den Worten, die seitdem zum geflügelten Wort geworden sind: "Ihr müsst ihm zuhören, der Junge spielt wie ein Teufel".

Fazıl Say erhielt seine ersten Klavierstunden von Mithat Fenmen, einem Pianisten, der bei Alfred Cortot in Paris studiert hatte. Fenmen – vielleicht ahnend, wie groß das Talent des Jungen war – bat seinen Schüler, zunächst jeden Tag zu alltäglichen Themen zu improvisieren, bevor er sich den notwendigen Klavierübungen und Studien widmete. In diesem Umgang mit freien kreativen Prozessen und Formen wurde der Ursprung für das enorme Improvisationstalent und die ästhetische Haltung gelegt, die den Kern des Selbstbildes von Pianist und Komponist Fazıl Say bilden. Als Komponist wurde Fazıl Say unter anderem von den Salzburger Festspielen, dem WDR, den Münchner Philharmonikern, dem Schleswig-Holstein Musik Festival, den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern, dem Wiener Konzerthaus, der Dresdner Philharmonie, der Fondation Louis Vuitton, dem Orpheus Chamber Orchestra, dem Boston Symphony Orchestra und der BBC beauftragt. Sein Œuvre umfasst fünf Sinfonien, zwei Oratorien, verschiedene Solokonzerte und zahlreiche Klavier- und Kammermusikwerke.

Sein Feinschliff als klassischer Pianist erfolgte ab 1987 bei David Levine, zunächst an der Musikhochschule "Robert Schumann" in Düsseldorf und später in Berlin. Darüber hinaus besuchte er regelmäßig Meisterkurse bei Menahem Pressler. Zudem ermöglichte ihm seine herausragende Technik bald, die sogenannten Kriegspferde der Weltliteratur mit erstaunlicher Souveränität zu meistern, und genau diese Mischung aus Subtilität bei Haydn, Bach und Mozart und virtuoser Brillanz in den Werken von Liszt, Mussorgsky oder Beethoven führte schließlich zu seinem Sieg beim Internationalen „Young Concert Artists“-Wettbewerb in New York im Jahr 1994. Seitdem trat Fazıl Say mit allen renommierten amerikanischen und europäischen Orchestern und zahlreichen großen Dirigenten auf und entwickelte ein vielfältiges Repertoire, das von Kompositionen Johann Sebastian Bachs bis zu den "Klassikern" Haydn, Mozart und Beethoven sowie romantischer und zeitgenössischer Musik, einschließlich seiner eigenen Klavierkompositionen, reicht.

Seitdem gab Fazıl Say Gastauftritte in unzähligen Ländern auf allen fünf Kontinenten; die französische Zeitung "Le Figaro" bezeichnete ihn als "ein Genie". Dabei trat Fazıl Say auch mehrfach als Kammermusiker auf. Mit der Geigerin Patricia Kopatchinskaja beispielsweise spielte er jahrelang in einem fantastischen Duo; weitere prominente Partner waren Maxim Vengerov, das Minetti Quartett, das Modigliani Quartett, Nicolas Altstaedt und Marianne Crebassa.

Zahlreiche Konzerthäuser, Orchester und Festivals haben Fazıl Say in den vergangenen Jahrzehnten als Artist in Residence eingeladen oder ihn ihrem Publikum mit Porträts und Schwerpunktwochen vorgestellt. Dazu gehören unter anderem das Konzerthaus Dortmund, das Konzerthaus Berlin, die Alte Oper Frankfurt, das Wiener Konzerthaus, das hr-Sinfonieorchester, das Zürcher Kammerorchester, die Dresdner Philharmonie, die Camerata Salzburg, das Schleswig-Holstein Musik Festival, das Rheingau Musik Festival, das Bodenseefestival und das Festival der Nationen. Weitere Porträts waren in Paris, Tokio, Meran, Hamburg und in Says Heimatstadt Istanbul zu hören. In der Saison 2022/23 wird er Focus Artist beim Tonhalle-Orchester Zürich und Artist/Composer in Residence bei der Staatskapelle Weimar sein.

2013 erhielt Fazıl Say den Rheingau Musikpreis, und im Dezember 2016 den Internationalen Beethoven-Preis für Menschenrechte, Frieden, Freiheit, Armutsbekämpfung und Inklusion in Bonn. Im Herbst 2017 wurde ihm der Musikpreis der Stadt Duisburg verliehen.

Fazıl Says Aufnahmen von Werken von Bach, Mozart, Gershwin und Strawinsky bei Teldec Classics sowie Mussorgsky, Beethoven und seinen eigenen Werken bei naïve wurden von Plattenkritikern hoch gelobt und mit mehreren Preisen ausgezeichnet, darunter drei ECHO KLASSIK-Auszeichnungen. 2014 erschienen seine Aufnahmen von Werken Beethovens – das Klavierkonzert Nr. 3 mit dem hr-Sinfonieorchester Frankfurt unter Gianandrea Noseda, die Sonate op. 111 und die Mondscheinsonate – sowie das Album "Say plays Say" mit ausschließlich eigenen Werken. Im Herbst 2016 veröffentlichte Warner Classics die Aufnahme aller Mozart-Sonaten, für die Fazıl Say 2017 seinen vierten ECHO KLASSIK erhielt. Zusammen mit Nicolas Altstaedt nahm er das Album "4 Cities" (2017) auf. Im Herbst 2017 veröffentlichte Warner Classics Frédéric Chopins Nocturnes und das Album "Secrets" mit französischen Liedern, die er gemeinsam mit Marianne Crebassa aufnahm und wofür er 2018 den Gramophone Classical Music Award erhielt. Sein Album 2018 ist Debussy und Satie gewidmet, während seine jüngste Veröffentlichung "Troy Sonata – Fazıl Say Plays Say" seine eigenen Werke präsentiert. Im Januar 2020 erschien bei Warner Classics Fazıl Says Aufnahme aller Beethoven-Klaviersonaten, die in dieser Saison auch seine Aufnahme von Bachs Goldberg-Variationen veröffentlichen werden.

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