Emil Gilels spielt Tschaikowskys Klavierkonzert Nr. 1.
Und Stanislav Neuhaus spielt Scriabin und Debussy.
Besetzung
Emil Gilels — Klavier
Stanislav Neuhaus — Klavier
Nationales Orchester der RTF
André Cluytens — Dirigent
Programmhinweise
Emil Gilels nimmt Tschaikowskys Erstes Klavierkonzert mit seinem kraftvollen Stil vor einem begeisterten Pariser Publikum in Angriff.
Er ist ein Titan. Das ist das erste Wort, das einem beim Gedanken an den Pianisten einfällt. Dies liegt nicht nur an seiner imposanten physischen Präsenz, sondern auch an der besonderen Art, wie seine Hände Besitz von der Tastatur ergreifen und kraftvolle, volltönende Klänge daraus hervorzaubern.
Geboren 1916 in Odessa, wie David Oistrach, studierte Gilels Klavier an der Musikschule seiner Heimatstadt, bevor er Schüler des berühmten Professors Heinrich Neuhaus am Moskauer Konservatorium wurde, gemeinsam mit einem gewissen Sviatoslav Richter.
In der Familie Gilels spielt jeder Musik: Seine Schwester Elisabeth heiratete den Geiger Leonid Kogan, und seine Tochter Elena wurde ebenfalls Pianistin. Er bildete ein berühmtes Trio mit seinem Schwager Leonid Kogan und Rostropowitsch, dem bei Bedarf der Bratschist Rudolf Barshai beitrat. In Odessa traf Gilels Prokofjew, der ein enger Freund wurde und ihm die Uraufführung seiner Achten Klaviersonate anvertraute.
1959 griff Gilels in Paris unter der Leitung von André Cluytens die ersten Töne von Tschaikowskys Klavierkonzert Nr. 1 an wie ein Löwe seine Beute. Doch seine Berührung ist samtweich, nicht kratzend! Das Publikum ist begeistert und applaudiert, sobald es die Kadenz des ersten Satzes hört.
Mehrere Jahre später, 1966, treffen wir Stanislav Neuhaus, einen Pianisten und Lehrer am Moskauer Konservatorium, der in die Fußstapfen seines Vaters Heinrich trat. Geboren 1927 in Moskau, verbrachte Stanislav einen Großteil seiner Kindheit und Jugend bei seinem Schwiegervater, dem Schriftsteller Boris Pasternak.
Er ist ein großartiger Virtuose, der die anspruchsvollsten Stücke meistert, wie Scriabins Étude in Cis-Moll und Nocturne für die linke Hand, dabei seine übliche Subtilität und Eleganz zeigend. Unter Debussys Werken liefert er die spektakulärsten Interpretationen von Feuerwerk und Minnesängern.
Archive
- „Concert de l'Orchestre National de la RTF“, INA-Archiv von Marcel Bluwal, 1959.
- – „Musique pour vous“, INA-Archiv von André Leroux, 1966.


