Massenets Werther
Benoît Jacquot (Regisseur), Michel Plasson (Dirigent) — Mit Jonas Kaufmann (Werther), Sophie Koch (Charlotte)
Besetzung
Benoît Jacquot — Bühnenregisseur
Jonas Kaufmann — Werther
Sophie Koch — Charlotte
Ludovic Tézier — Albert
Anne-Catherine Gillet — Sophie
Alain Vernhes — Der Bailli
Andreas Jaggi — Schmidt
Christian Tréguier — Johann
Programmhinweise
In Massenets Meisterwerk, basierend auf Goethes Die Leiden des jungen Werther, hören die Tränen vom Moment an, in dem das mondbeschienene Bühnenbild enthüllt und geschlossen wird, niemals auf zu fließen. „Mein ganzes Wesen weint darüber“, sagt Werther. Wir sind weit entfernt von den üblichen Tränen der Oper, seien sie heimlich oder heftig. Diese Tränen fließen langsam und unaufhaltsam, eine nach der anderen. Geduldige Tränen, wie Charlotte es ausdrückt.
Im Verlauf von vier Akten werden sie ihre Wirkung entfalten. Charlotte kann die Tränen nicht zurückhalten, als sie Werthers Briefe erneut liest. Sie werden vor Sophie, dem Engel des Trostes, fließen. Sie werden fließen, wenn Werther Ossian liest. Und schließlich werden sie beim Anblick von Werthers blutgetränktem Körper fließen. Doch Werther verweigert diese letzten Tränen: Denn jetzt ist er glücklich und frei. Werther ist ein langes Requiem, lacrimosa dies illa, ein tränenreicher Tag, wie es ihn wohl nie zuvor gab. Ein Requiem für einen jungen Dichter, das in paradisum endet. Denn Werther konnte natürlich nur ein Dichter sein: das heißt, über der Welt stehend, und doch ihr dennoch verfallen. Der Tod schwebt über ihm, und Massenet hat sein Lied mit dem Zeichen versehen, das Rilke in seinen Sonnets to Orpheus für jene beschrieb, die jung sterben sollen.
© Opéra national de Paris
