Mozarts Die Entführung aus dem Serail
Michael Hampe (Regisseur), Gianluigi Gelmetti (Musikdirektor) – Mit Matthias Habich (Selim Bassa), Ruth Ann Swenson (Kostanze) – Schwetzinger Festspiele
Besetzung
Michael Hampe — Bühnenregisseur
Vera Marzot — Kostümbildner
Hans Toelstede — Beleuchtung
Matthias Habich — Selim Bassa
Ruth Ann Swenson — Kostanze
Malin Hartelius — Blondchen
Hans Peter Blochwitz — Belmonte
Manfred Fink — Pedrillo
Programmhinweise
Zeitgenössische Kritik in einem türkischen Umfeld.
Es klingt wie ein Märchen: Nach einem Angriff auf das Schiff des spanischen Adligen Belmonte Lostados werden Belmontes Verlobte Konstanze, ihre englische Zofe Blonde und Belmontes Diener Pedrillo gefangen genommen. Alle drei werden dann als Sklaven an den türkischen Pascha Selim verkauft. Pedrillo schafft es, Belmonte Nachricht von ihrem Aufenthaltsort zu übermitteln, und Belmonte ist inzwischen angekommen, um sie zu befreien. Zunächst versperrt Osmin, der Aufseher des Paschas auf dessen Landsitz, ihm den Weg, doch Pedrillo, dessen Fähigkeiten als Gärtner dem Pascha ans Herz gewachsen sind, täuscht Osmin und lässt seinen Herrn in den Palast. Die beiden Westler planen, ihre Geliebten nachts zu retten, ein Plan, der zunächst zu gelingen scheint, als Osmin mit einem Schlaftrunk außer Gefecht gesetzt wird, dessen Wirkung jedoch nur von kurzer Dauer ist, und er rechtzeitig aufwacht, um Alarm zu schlagen. Zu Osmins Freude werden die beiden Paare, Konstanze und Belmonte sowie Blonde und Pedrillo, vor den Pascha geführt. Der Pascha entdeckt, dass Belmonte der Sohn seines Erzfeindes ist, der ihn einst aus seiner nordafrikanischen Heimat vertrieben hatte, doch er verzichtet darauf, Rache für das ihm zugefügte Unrecht zu nehmen, und schenkt den vieren stattdessen ihre Freiheit.
Doch dies ist tatsächlich kein Märchen. Durch den Spiegel seines exotischen Themas kritisiert Die Entführung aus dem Serail die Einstellungen und Verhaltensmuster des absolutistischen Europas. Schon seit Montesquieus Lettres persanes von 1721 hatten Gelehrte diesen Trick immer wieder benutzt, um Zensur zu umgehen. 1781 erhielt Mozart einen kaiserlichen Auftrag, Die Entführung zu schreiben, da der russische Großfürst Paul Petrowitsch zu Besuch kommen sollte. Man fragt sich, ob der Kaiser bemerkte, in welche Richtung sich die Oper entwickelte. Niemand weiß es. Es ist unklar, was Joseph II. genau dazu bewog, seine Meinung zu ändern. Jedenfalls entschied er sich plötzlich, den Besuch seines russischen Gastes mit Aufführungen von Glucks Iphigénie en Tauride und Alceste zu ehren...
