Handels Tamerlano
Pierre Audi (Regisseur), Christophe Rousset (Dirigent) — Mit Christophe Dumaux (Tamerlano), Jeremy Ovenden (Bajazete), Sophie Karthäuser (Asteria)
Besetzung
Pierre Audi — Bühnenregisseur
Patrick Kinmonth — Bühnenbildner, Kostümbildner(in)
Matthew Richardson — Beleuchtungsdesigner
Christophe Dumaux — Tamerlano
Jeremy Ovenden — Bajazet
Sophie Karthäuser — Asteria
Delphine Galou — Andronico
Ann Hallenberg — Irene
Programmhinweise
Geboren in Deutschland, ausgebildet in Italien und eingebürgert in England, war der Komponist Georg Friederich Händel einer der wichtigsten, innovativsten und kosmopolitischsten Opernkomponisten der Barockzeit (1600-1750), ein wahrer Mann des Theaters. Innerhalb von nur 20 Tagen im Jahr 1724—dem gleichen Jahr, in dem er Giulio Cesare und Rodelinda schuf—schrieb Händel Tamerlano.
Mit seiner unerschöpflichen melodischen Erfindungsgabe wusste Händel, die komplexe Menschlichkeit opernhafter Charaktere hervorzurufen, indem er Rezitative (eine Mischung aus Sprechen und Singen), Arien (Showstücke für die stimmliche Virtuosität der Sänger) und Chorstücke abwechselte, um Werke von polierter Intensität zu gestalten—so hoch geschätzt, dass sie kommerziellen Wettbewerb zwischen Opernhäusern derselben Stadt anregten. Dieses Wettbewerbsumfeld sowie die unaufhörliche öffentliche Nachfrage nach neuen und eindrucksvolleren Opern inspirierten Komponisten wie Händel dazu, avantgardistische Ansätze zu erforschen (ähnlich wie die heutige Musikindustrie es bei Popstars tut!).
In Tamerlano widersetzte sich Händel sowohl geschriebenen als auch stillschweigenden Regeln—indem er einer reifen Tenorrolle den Vorzug gab, zu einer Zeit, als die Kastraten-Stimme dominierte; und indem er sich nicht scheute, schockierende Szenen zu zeigen, die andere Komponisten zögerlich angingen, wie Selbstmord. Pierre Audis elegante, minimalistische Inszenierung ermöglicht es einem Starensemble von Sängern, die vielen dramatischen Elemente des Werks hervorzuheben und beweist, dass Barockoper uns auch heute noch bewegen und begeistern kann, so wie vor 300 Jahren!
