Wagners Siegfried
Jossi Wieler (Regisseur), Lothar Zagrosek (Dirigent) – Mit Jon Fredric West (Siegfried), Wolfgang Schöne (Der Wanderer), Gabriela Herrera (Ein Waldvogel) – Staatsoper Stuttgart
Besetzung
Jon Fredric West — Siegfried
Heinz Göhrig — Mime
Wolfgang Schöne — Der Wanderer
Björn Waag — Alberich
Attila Jun — Fafner
Gabriela Herrera — Ein Holzvogel
Helene Ranada — Erda
Lisa Gasteen — Brünnhilde
Programmhinweise
Der dritte Teil der Tetralogie, „Siegfried“, aufgeführt an der Stuttgarter Oper und dirigiert von Lothar Zagrosek, ist so weit wie möglich entfernt von einer Neuinterpretation der Wagner’schen Mythologie.
„Vier Opern, vier Regisseure.“ Als Antwort auf diese ursprüngliche künstlerische Idee wurde Wagners Tetralogie 1999-2000 auf der Bühne der Stuttgarter Oper unter der Leitung des österreichischen Dirigenten Lothar Zagrosek produziert und später 2002-2003 verfilmt. Das Rheingold (der Prolog) wurde Joachim Schlömer anvertraut, Die Walküre Christof Nel, Siegfried Jossi Wieler und Sergio Morabito, und schließlich der letzte Tag des Rings, Götterdämmerung, Perter Konwitschny.
Nach dem Choreografen-Tänzer Joachim Schlömer (Das Rheingold) war es ein Stuttgarter, Christof Nel, der Die Walküre inszenierte. Diese beiden sind auch die respektlosesten Bühnenbildner, die in Deutschland arbeiten. Die Kombination aus einer verrückten Atmosphäre mit der eines tristen Wohnblocks samt einer düsteren Formica-Küche, einem Boden voller Utensilien und grotesken Figuren ist das Markenzeichen ihres Universums, das sie auch in „Siegfried“ nicht zu scheuen wagen. Die Wirkung ist durchaus eindrucksvoll.
Die in Stuttgart aufgeführte Tetralogie sorgte für Aufsehen, doch Siegfried ist sicherlich der originellste der vier Teile: In ihm bleibt nichts von der epischen Wagner’schen Größe übrig. Alles konzentriert sich auf den Realismus der Handlung sowie den Zynismus und die Gewalt der Charaktere, die eher an die Atmosphäre von Stanley Kubricks Uhrwerk Orange erinnern als an die Romantik von Bayreuth. Auf jeden Fall ist die Reise den Umweg wert. Auf der Bühne entspricht die Leistung der Sänger dem Anspruch des Projekts, und der Lyrismus von Lothar Zagrosek begeistert.
