
Nikolaus Harnoncourt
6. Dezember 1929 - Berlin (Deutschland) — 5. März 2016
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Über
Nikolaus Harnoncourt wurde 1929 in Berlin geboren und wuchs in Graz, Österreich, auf. Er studierte Cello bei Paul Grümmer und am College of Music in Wien bei Emanuel Brabec. Von 1952 bis 1969 war er Mitglied des Wiener Symphonieorchesters. Sein Hauptinteresse in dieser Zeit galt der Beschäftigung mit der Aufführungspraxis der Musik von der Renaissance bis zur Klassik sowie dem Erlernen der Spieltechnik und Klangmöglichkeiten historischer Instrumente. Zu diesem Zweck gründete Nikolaus Harnoncourt 1953 das Ensemble „Concentus Musicus“, das 1957 sein erstes öffentliches Konzert gab. Kurz darauf folgten kommerzielle Aufnahmen von Repertoire aus den Jahren 1200 bis 1800. Der zentrale Punkt dieser Arbeit war das gesamte Kantatenwerk von J.S. Bach, das sich zu einem fast 20 Jahre dauernden Aufnahmeprojekt in Zusammenarbeit mit Gustav Leonhardt entwickelte. Seit der Saison 1978/79 leitet Nikolaus Harnoncourt seinen eigenen Concentus Musicus-Zyklus für die Gesellschaft der Musikfreunde in Wien.
Während Harnoncourt in den Anfangsjahren als Spezialist für Renaissance- und Barockmusik galt – ein Etikett, das er nicht besonders mochte –, führte er später auch Werke aus der Klassik und Romantik auf. Seit 1985 ist er regelmäßig beim jährlichen Styriarte-Festival in Graz beteiligt, das er mitplant. Bei diesem Festival hat er wiederholt ganze Zyklen von Werken Haydns, Beethovens, Schumanns, Schuberts, Mendelssohns und Brahms mit dem Chamber Orchestra of Europe aufgeführt und aufgenommen.
Er ist ein regelmäßiger Gastdirigent, insbesondere beim Royal Dutch Concertgebouw Orkest in Amsterdam sowie bei den Wiener und Berliner Philharmonikern. Nikolaus Harnoncourts erste Opernproduktion war Monteverdis Il ritorno d’Ulisse in patria am Theater an der Wien im Jahr 1971. Kurz darauf begann eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit Jean-Pierre Ponnelle am Opernhaus Zürich. Nach dem hochgelobten Monteverdi-Zyklus, der zwischen 1975 und 1979 in den wichtigsten Musikzentren Europas (Edinburgh, Mailand, Wien, Berlin, München) aufgeführt wurde, folgte der Mozart-Zyklus von 1980 bis 1987. Nikolaus Harnoncourt hat bis heute enge Verbindungen zum Opernhaus Zürich. Neue Produktionen, die er an der Wiener Staatsoper, am Opernhaus Amsterdam und an anderen Orten inszenierte, präsentierten Werke von Händel, Rameau, Haydn, Mozart, Beethoven, Schubert, Weber und Johann Strauss. Nikolaus Harnoncourts Engagement im Opernbereich ist auf zahlreichen Aufnahmen gut dokumentiert.
Nikolaus Harnoncourts Karriere als Dirigent im symphonischen Repertoire und im Musiktheater führte von der Wiener Klassik über das romantische Repertoire bis ins 20. Jahrhundert. Einige Stationen seines Werdegangs sind ein Mozart-Zyklus an der Wiener Staatsoper sowie Monteverdis L'incoronazione di Poppea und Mozarts Die Hochzeit des Figaro, Don Giovanni und La clemenza di Tito für die Salzburger Festspiele. Zwischen diesen Meilensteinen verbrachte er häufig Zeit in Zürich, wo er Produktionen wie Webers Der Freischütz, Schuberts Des Teufels Lustschloss und Alfonso und Estrella, Offenbachs La belle Hélène, La Périchole und La Grande-Duchesse de Gérolstein sowie Verdis Aida leitete.
Im Bereich der Orchesterarbeit hat Nikolaus Harnoncourt mit dem Concertgebouw Orkest Amsterdam, dem Chamber Orchestra of Europe sowie den Wiener und Berliner Philharmonikern ein umfangreiches Repertoire aufgebaut und teilweise wiederentdeckt. Dieses Repertoire reicht von Haydn, Mozart und Beethoven über Schubert, Mendelssohn, Schumann, Brahms, Dvořák und Bruckner bis hin zu Béla Bartók und Alban Berg.
Der zentrale Veranstaltungsort für viele dieser Projekte war und ist das 1985 in Graz gegründete Styriarte-Festival, das Nikolaus Harnoncourt enger mit seiner Heimatstadt verbindet. Dort dirigierte er viele Werke, darunter die Uraufführung von Schumanns Genoveva, die Ouvertüre und den dramatischen Tod der Liebenden aus Wagners Tristan und Isolde sowie 2001 Verdis Requiem. 2003 wurde dort seine erste Oper in Form von Offenbachs La Grande-Duchesse de Gérolstein aufgeführt. Ein weiteres Highlight war die szenische Aufführung von Bizets Carmen bei der Styriarte 2005.
Harnoncourt hat sich auch als Autor mehrerer vielbeachteter Bücher, die in über 20 Sprachen übersetzt wurden, bemüht, seine Ansichten über den Dialogaspekt in der Musik zu vermitteln und sein Wissen als Lehrer weiterzugeben. Zwanzig Jahre lang unterrichtete er als Professor für Aufführungspraxis an der Universität Mozarteum in Salzburg.
Seine Arbeit wurde mit zahlreichen internationalen Auszeichnungen geehrt. Nikolaus Harnoncourt ist Ehrenmitglied der Gesellschaft der Musikfreunde und der Konzerthausgesellschaft in Wien (seit 1992); er besitzt Ehrendoktorwürden der Universität Edinburgh und des Mozarteums Salzburg und ist zudem Ehrenmitglied der Musikuniversitäten in Graz und Wien. 2002 erhielt er den Ernst von Siemens Musikpreis und den Polar Music Prize in Stockholm, während er 2005 mit dem Kyoto-Preis ausgezeichnet wurde, dem weltweit bedeutendsten unabhängigen Kunstpreis für herausragende internationale Persönlichkeiten aus Kunst und Wissenschaft.
Nikolaus Harnoncourts Diskographie umfasst fast 500 Aufnahmen, von denen viele alle wichtigen internationalen Klassikpreise gewonnen haben, darunter einen GRAMMY® für seine Version der Matthäus-Passion. Sein jüngster Preis ist der ECHO KLASSIK 2006 für seine Aufnahme des Messiah zusammen mit dem Arnold Schoenberg Chor und dem Concentus Musicus Wien (82876640702 dhm/SONY Masterworks).