
Georg Nigl
© Bernd Uhlig
Über den Künstler
Als Junge war Georg Nigl Solist bei den Wiener Sängerknaben und wurde später Schüler von Hilde Zadek. Heute ist er international bekannt als Spezialist für Alte Musik und ebenso als gefragter Interpret zeitgenössischer Musik. Er führt auch regelmäßig Werke des späten 18. und des 19. Jahrhunderts auf.
In der letzten Spielzeit war er in der Titelrolle von Wozzeck an der Bayerischen Staatsoper in München und der Staatsoper unter den Linden in Berlin zu sehen, wo er auch als „N“ in Rihms Dionysos auftrat. Er sang die Hauptrollen bei Hosokawas Hanjo bei der Ruhrtriennale und in Sasha Waltz’ Inszenierung von Pascal Dusapins Passion an der Opéra de Lille. Dusapin spielt auch in seiner aktuellen Spielzeit eine bedeutende Rolle, mit Passion am Théâtre Royal de La Monnaie in Brüssel sowie dem szenischen Rezital Oh Mensch! in Marseille, Metz, Rouen und Reims. Außerdem gibt er sein Hausdebüt am Teatro Real in Madrid in der Titelrolle von Il Prigioniero, singt Xenakis’ Kassandra beim Acht Brücke Festival in Köln und kehrt für Hanjo nach Berlin zurück.
Auf Konzert- und Rezitalbühnen tritt er im Wiener Konzerthaus mit Die schöne Müllerin, Carmina Burana und der Fortsetzung seines Bach-Kantaten-Zyklus mit dem NDR Sinfonieorchester Hamburg auf; sowie bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen, im Théâtre des Bouffes du Nord und in der Wigmore Hall. Weitere jüngste Konzertauftritte umfassen Lieder eines fahrenden Gesellen auf Tournee mit Dmitri Jurowski und dem Orchester der De Vlaamse Oper sowie Rezitale mit Tzimon Barto (Kölner Philharmonie), Alexander Melnikov (Staatstheater Stuttgart) und Andreas Staier (in Zürich, Genf und St. Gallen).
Fragt man Georg Nigl nach seinen Lieblingsopernrollen, antwortet er ohne zu zögern: Monteverdis Orfeo (den er kürzlich an der Teatro alla Scala sang), Mozarts Papageno und Bergs Wozzeck, die alle echte menschliche Qualitäten zeigen, aber eine inhärente Dysfunktionalität besitzen. Nigls Fähigkeit, seine hoch expressive Persönlichkeit diesen und anderen Rollen zu verleihen, führte zu jüngsten Erfolgen an Europas führenden Opernhäusern und bei Festivals wie Aix-en-Provence und den Salzburger Festspielen. Nigls Interpretationen von Rollen in zeitgenössischen Opern wurden besonders gelobt, darunter Pascal Dusapins Faustus, The Last Night und Wolfgang Rihms Jakob Lenz.
Nigl arbeitete mit Regisseuren wie Andrea Breth, Frank Castorf, Andreas Homoki, Calixto Bieito, Jürgen Flimm und Peter Mussbach zusammen. Er trat außerdem unter Dirigenten wie Daniel Barenboim, Daniele Gatti, Ádám Fischer, René Jacobs, Nikolaus Harnoncourt, Jordi Savall, Thomas Hengelbrock, Daniel Harding und Giovanni Antonini auf.
Nigls umfangreiche Diskographie bei Opus Arte, ECM, col legno, Bel Air Media und Naïve umfasst Richard Dünsers Radek, Wolfgang Mitterers Im Sturm, Heiner Goebbels’ Landschaft mit entfernten Verwandten sowie L’Orfeo, Faustus, The Last Night und Wozzeck (die letzten drei als Video). Höhepunkte der letzten Spielzeiten sind Wozzeck bei den Wiener Festwochen, im Bolschoi-Theater und an der Teatro alla Scala; die Titelrolle in Peter Eötvös’ Die Tragödie des Teufels an der Bayerischen Staatsoper; Mercurio in Cavallis La Calisto an der Monnaie; Schönbergs Von heute auf morgen an der La Fenice; sowie Rezitale bei den Salzburger Festspielen, im Shanghai Concert Hall und im Wiener Konzerthaus.