
Elisabeth Leonskaja
23. November 1945 - Tiflis, Georgien
Elisabeth Leonskaja © Marco Borggreve
Über
Ein französischer Journalist schrieb "La dernière grande Dame de l’École Soviétique", ein spanischer Kritiker nannte sie "Anti-Diva". Beide haben Recht.
Seit Jahrzehnten zählt Elisabeth Leonskaja zu den gefeiertsten Pianistinnen unserer Zeit. In einer von den Medien dominierten Welt ist Elisabeth Leonskaja sich selbst und ihrer Musik treu geblieben und folgt damit den Spuren der großen russischen Musiker der Sowjetära, wie David Oistrach, Sviatoslav Richter und Emil Gilels, die trotz eines sehr schwierigen politischen Umfelds nie von ihrem Fokus auf die Quintessenz der Musik abgewichen sind. Ihre fast legendäre Bescheidenheit macht sie auch heute noch etwas medien-scheu. Doch sobald sie die Bühne betritt, spüren die Zuhörer die Kraft dahinter, dass Musik ihr Lebenswerk ist und immer war.
Geboren in Tiflis, Georgien, in eine russische Familie, galt sie als Wunderkind und gab bereits im Alter von 11 Jahren ihre ersten Konzerte. Ihr außergewöhnliches Talent führte sie bald zum Studium am Moskauer Konservatorium. Noch als Studentin gewann sie Preise bei den renommierten internationalen Klavierwettbewerben Enescu, Marguerite Long und Königin Elisabeth.
Elisabeth Leonskajas musikalische Entwicklung wurde entscheidend durch ihre Zusammenarbeit mit Sviatoslav Richter geprägt oder beeinflusst. Der Meister erkannte ihr außergewöhnliches Talent und förderte ihre Entwicklung nicht nur durch Unterricht und Ratschläge, sondern lud sie auch ein, zahlreiche Duette mit ihm zu spielen. Ein unvergessliches musikalisches Ereignis! Die musikalische Partnerschaft und persönliche Freundschaft zwischen Sviatoslav Richter und Elisabeth Leonskaja hielt bis zu Richters Tod im Jahr 1997 an. 1978 verließ Elisabeth Leonskaja die Sowjetunion und ließ sich in Wien nieder. Ihr sensationeller Auftritt beim Salzburger Festspiel 1979 markierte den Beginn ihrer stetig aufblühenden Karriere als Konzertpianistin im Westen.
Elisabeth Leonskaja trat als Solistin mit nahezu allen führenden Orchestern der Welt auf, wie dem New York Philharmonic, dem Los Angeles Philharmonic Orchestra, dem Cleveland Orchestra, dem London Philharmonic Orchestra, dem Royal Philharmonic Orchestra, dem BBC Symphony Orchestra London, dem Zürcher Tonhalle-Orchester, der Berliner Philharmonie, dem Gewandhausorchester Leipzig, den Rundfunkorchestern von Hamburg, Köln und München, dem Tschechischen Philharmonie-Orchester und vielen anderen, unter der Leitung so bedeutender Dirigenten wie Kurt Masur, Sir Colin Davis, Christoph Eschenbach, Christoph von Dohnányi, Kurt Sanderling, Mariss Jansons, Yuri Temirkanov, Dmitri Kitajenko und vielen weiteren.
Elisabeth Leonskaja ist ein häufiger und gern gesehener Gast bei renommierten Sommermusikfestivals wie den Salzburger Festspielen, den Wiener und Luzerner Festspielen, dem Schleswig-Holstein Festival, der Schubertiade in Hohenems und Schwarzenberg, und sie gibt auch Recitals in den Klavierreihen der wichtigsten Musikzentren der Welt, wie Paris, Madrid, Barcelona, London, Edinburgh, München, Zürich und Wien.
Trotz ihres vollen Terminkalenders als Solistin spielte Kammermusik stets eine bedeutende Rolle in ihrem künstlerischen Schaffen, und sie tritt häufig mit den Emerson, Borodin und Artemis Quartetten auf.
Zahlreiche Aufnahmen zeugen von den herausragenden künstlerischen Leistungen dieser Pianistin, und sie wurde mit Preisen wie dem Caecilia-Preis für ihre Brahms-Klaviersonaten oder dem Diapason d’Or für ihre Einspielungen von Werken Liszts ausgezeichnet. Weitere bedeutende Aufnahmen umfassen die Klavierkonzerte von Tschaikowski mit dem New York Philharmonic Orchestra unter Kurt Masur, die Chopin-Klavierkonzerte mit dem Tschechischen Philharmonie-Orchester unter Vladimir Ashkenazy sowie die Schostakowitsch-Klavierkonzerte mit dem Saint Paul Chamber Orchestra.
In ihrer Wahlheimat, der Republik Österreich, haben Elisabeth Leonskajas herausragende Leistungen ebenfalls große Anerkennung gefunden. Sie wurde zum Ehrenmitglied des Wiener Konzerthauses ernannt. Im Jahr 2006 erhielt sie das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse für ihre Verdienste um das kulturelle Leben des Landes, die höchste Auszeichnung dieser Art in Österreich. Heute ist die "Löwin der Tastatur" zu einer außergewöhnlichen Pianistin gereift, die ihre Virtuosität nicht in den Vordergrund stellt und überall, wo sie auftritt, die herzlichste Aufnahme genießt.
Ein Zitat aus dem Musikmagazin Diapason von Andre Boucourechliev (Paris): "Le chemin de Leonskaja est un chemin de cimes. Par le dépassement de soi, l’exigence, la passion et l’intelligence, elle se place au rang des plus grands, non seulement d’aujourd’hui mais de l’époque: au rang d’une Clara Haskil, d’un Lipatti, la modernité en plus."
Elisabeth Leonskajas Weg führt von einem Gipfel zum nächsten. Durch ständiges Über-sich-Hinauswachsen, getrieben von eigenen Ansprüchen, Leidenschaft und Intelligenz hat sie die Höhen erreicht, die nur die Größten erklommen haben, nicht nur der Gegenwart, sondern einer ganzen Epoche: die von Clara Haskil, Lipatti und dazu noch der Moderne.