
Claudio Abbado
26. Juni 1933 - Mailand — 20. Januar 2014 - Bologna
© Peter Fischli
Über
Claudio Abbado, ein visionärer Dirigent
Abbados künstlerische Vision und Selbstvertrauen hallten laut und deutlich durch ein Leben voller aufschlussreicher Aufführungen und Aufnahmen wider. Bekannte Musik, sei es von Beethoven, Mussorgsky oder Debussy, erhielt neue Farbe, Klarheit und rhythmische Vitalität, während vernachlässigte Partituren von Verdi, Rossini und anderen ihren rechtmäßigen Platz im Repertoire einnahmen. Anti-autokratisch, zutiefst menschlich und höchst musikalisch bemühte sich Abbado, die Musik in ihren weiteren künstlerischen Kontext zu stellen, während er Figuren des 20. Jahrhunderts von den Giganten der Zweiten Wiener Schule bis zu den führenden Komponisten des modernen Italiens förderte und eine tiefgehende persönliche Erforschung der symphonischen Welt Mahlers unternahm.
Claudio Abbado: wichtige Daten
1933: Claudio Abbado wird in Mailand, Italien, in eine Musikerfamilie mit sardischen Wurzeln geboren.
1955: Schließt sein Studium am Konservatorium in Mailand ab, wo er Komposition, Klavier und Dirigieren studiert; besucht bis 1957 die Musikakademie Wien.
1958: Gewinner des Koussevitzky-Wettbewerbs in Tanglewood; Operndebüt mit Prokofjews Die Liebe zu den drei Orangen in Triest.
1960: Debüt am Teatro alla Scala.
1965: Debüt bei den Salzburger Festspielen.
1967: Beginnt die Zusammenarbeit mit Decca und Deutsche Grammophon, während der er die kompletten Sinfonien von Beethoven, Brahms, Mahler, Mendelssohn und Schubert aufnimmt.
1969–86: Resident Dirigent, ab 1971 Musikdirektor und ab 1980 Chefdirigent an der Scala.
1978: Mitbegründer des European Union Youth Orchestra und deren Musikdirektor bis 1994.
1979–86: Chefdirigent des London Symphony Orchestra, ab 1983 deren Musikdirektor.
1981: Mitarbeit bei der Gründung des Chamber Orchestra of Europe.
1982–85: Principal Guest Conductor des Chicago Symphony Orchestra.
1986: Gründer des Gustav Mahler Jugendorchesters.
1986–91: Musikdirektor der Wiener Staatsoper.
1990–2002: Nachfolger Karajans als Chefdirigent der Berliner Philharmoniker.
1997: Die Mahler Chamber Orchestra wird auf seine Initiative gegründet.
2003: Gemeinsam mit Michael Haefliger gründet er das Lucerne Festival Orchestra, bestehend aus Mitgliedern des Mahler Chamber Orchestra mit international bekannten Solisten als Hauptspielern.
2010: Mahler-Zyklus internationale Tournee.
2012: Aufnahme in die Gramophone Hall of Fame und Auszeichnung mit dem Dirigentenpreis bei den Royal Philharmonic Society Music Awards.
2013: Die Welt feiert seinen 80. Geburtstag.
2014: Claudio Abbado stirbt am 20. Januar 2014 in Bologna, Italien, nach einem zehnjährigen Kampf gegen Krebs. Die klassische Welt trauert um einen unersetzlichen Giganten.